11.11.2013

Rheinhessen-Krimis: Sammlung weihnachtlicher Kurzgeschichten

 

Lesung Tödlicher Glühwein

Acht Autorinnen und Autoren lasen im Drusussaal der Mainzer Zitadelle aus ihren weihnachtlichen Rheinhessenkrimis, die in einer Kurzgeschichten-Sammlung unter dem Titel „Tödlicher Glühwein“ erschienen sind.

„Einen passenderen Standort hätte es nicht haben können: hoch über der Stadt, den Martinsdom zu Füßen, flankiert von St. Stephan“, so beschreibt Autorin und Mitherausgeberin Claudia Platz die Mainzer Zitadelle in ihrem Kurzkrimi „Racheengel“.

Bei ihr verwandelt sich das Festungswerk kurzerhand in einen Mordschauplatz. Eine junge Sterneköchin wehrt sich gegen die miesen Absichten eines skrupellosen Restaurantkritikers und macht schließlich kurzen Prozess: mithilfe einer gusseisernen Bratpfanne. Und es wird an diesem Abend noch öfter gemordet. Die aus Landau stammende Autorin Heidi Moor-Blank lässt den Mainzer Oberbürgermeister bei der Eröffnung des Weihnachtsmarktes auf offener Bühne erschießen. In Gina Greifensteins Kurzkrimi „Spezialrezept“ will Frührentner Manfred seine verhasste Schwiegermutter mit vergifteten Lebkuchen zur Strecke bringen. Und auch Rosemarie, die Heldin aus Jürgen Heimbachs Kurzkrimi, der am Ende des Zweiten Weltkriegs spielt, geht für ihre „Freiheit“ über Leichen.

Witzig und akribisch

Mal mit Witz, mal mit akribisch-psychologischer Beobachtungsgabe oder genau getaktetem Spannungsaufbau: So unterschiedlich wie die Krimis selbst gestalteten auch die acht Autorinnen und Autoren ihre Lesung. Jeweils drei Minuten gewährten sie Einblicke in ihre Werke – und ließen den Ausgang ihrer Krimis zumeist offen, um die Gäste des voll besetzten Drusussaals auf die Folter zu spannen.

Vor einem guten Jahr wurde die Gau-Bischofsheimer Autorin Claudia Platz auf einen Berliner Krimiband mit weihnachtlichen Kurzgeschichten aufmerksam. „Für Rheinhessen gab es das noch nicht“, erzählt Platz, also habe sie ihre Verlegerin Angelika Schulz-Parthu vom Ingelheimer Leinpfad Verlag angerufen, die von der Idee begeistert gewesen sei. Die beiden Frauen schrieben im Dezember 2012 über verschiedene Autoren-Netzwerke einen bundesweiten Wettbewerb aus, bei dem Schriftsteller ihre Geschichten für „Tödlicher Glühwein“ einreichen konnten.

„Grundvoraussetzung war, dass die Krimis in einem Zeitraum zwischen erstem Advent und Dreikönigstag spielen und in Rheinhessen angesiedelt sein sollten“, berichtet Angelika Schulz-Parthu, die den Leinpfad Verlag 1997 gegründet hat. „Ausgesucht haben wir dann nach Spannung, nach Originalität und auch ganz stark nach Vielfalt“, so die Verlegerin, „wir wollten ja nicht nur Kurzkrimis haben, in denen alle an vergifteten Plätzchen sterben“. Die Fertigstellung der Anthologie habe sich dann als wahrer Marathon herausgestellt, resümiert Schulz-Parthu. „Wir haben gelesen, gelesen, gelesen. Das reicht ja nicht, die Geschichten nur einmal zu lesen, die Krimis müssen in sich stimmig und plausibel sein“.

Zynisch und überraschend

Aus 30 Einsendungen wählten die Herausgeberinnen 19 Geschichten aus, die mal mit Zynismus, mal mit trockenem Humor oder ungeahnten Wendungen mit dem Fest der Liebe abrechnen. Weihnachten als Thema für einen Krimi? „Wer hatte an Weihnachten nicht schon mal Mordgedanken“, schmunzelt Schulz-Parthu.

Eine lyrische und musikalische Zugabe von Claudia Platz rundete den Abend thematisch ab: „Den Glühwein koch ich dir, damit er richtig brennt // Kommt noch Strychnin hinein – Frohen Advent!“

09.11.2013 – RHEINHESSEN Von Lisa Simonis

23.10.2013

23. Oktober 2013

Viertelkrimi 14 Schierstein

"Deine Grundschule brennt!"

2013 10 Viertelkrimi 14 Schierstein

WIESBADEN . Rauchschwaden zogen über den Schiersteiner Hafen. In Frederic Feuerbachs Kopf erklang sofort der Riff von "Smoke on the water" und kurz darauf blitzte eine weitere Erinnerung aus seiner Kindheit auf. Wie oft hatte er sich auf seinem morgendlichen Weg gewünscht, die Schule würde brennen und der Unterricht ausfallen. Wenig später stand er vor dem Hauptgebäude der Erich-Kästner-Schule, aus deren Fenstern hohe Flammen schlugen. Aus allen Richtungen schossen Wasserfontänen aus den Schläuchen der angerückten Feuerwehren.
Die Nachricht lautet "KHB"
mehr …

05.10.2013

Frisch ausgepackt

 

Tödlicher Glühwein. 19 Weihnachtskrimis aus Rheinhessen
Claudia Platz und Angelika Schulz-Parthu (Hg.)
Stille Nacht, heilige Nacht? Von wegen!
Harmonie und Frieden unterm Weihnachtsbaum? Wers glaubt, wird selig!
Man verzeiht sich beim Glühwein das eine oder andere? Schön wärs!
In ihren Weihnachtskrimis aus Rheinhessen zeigen 19 Autorinnen und Autoren, dass auch zwischen dem ersten Advent und Silvester alte Rechnungen beglichen und neue aufgemacht werden. Psychologisch fein austarierte Tatabläufe treffen auf spontane Befreiungsschläge und manchmal auf den Falschen …
Mit Krimis von Vera Bleibtreu, Ella Daelken, Franziska Franke, Britt Glaser, Gina Greifenstein, Jürgen Heimbach, Heidrun Immendorf, Simone Jöst, Wolfgang Kemmer, Richard Lifka, Heidi Moor-Blank, Sarah Geraldine Nisi, Claudia Platz, Petra Scheuermann, Regina Schleheck, Gabriele Scholtz, Angelika Schröder, Frauke Schuster und Brigitte Vollenberg.
ISBN 978-3-942291-67-5, 216 Seiten, Broschur (2013)
€ 9.90Preis:

21.09.2013

Neue Bücher

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Wiesbadener Kurier vom 21.09.13

12.09.2013

12. September 2013

Frisch ausgepackt

Neuerscheinung

Luxemburger Leichen

Killer, Kohle, Kasematten
Luxemburg, das Musterland der EU, ist international - bis zum Anschlag. Gleichzeitig gilt es als beschaulich und lebensfroh. Und reich. Das lockt nicht nur ehrenwerte Menschen an, sondern auch jede Menge Gesindel: Bombendrohung im Bankenviertel, Terror im Kernkraftwerk, Showdown auf dem Stadtfriedhof, Agentenjagd im Palast, Politmassaker, Brisantes, Böses und Mörderisches – das brave Großherzogtum verliert seine Unschuld, wenn unter der Regie von Eva Lirot und Hughes Schlueter über 20 namhafte Autoren die Feder ins Blut tauchen: Arno Strobel, Monique Feltgen, Guido M. Breuer, Nina George, Marco Schank, Ralf Kramp, Josiane Kartheiser, Tatjana Kruse, Alexander Pfeiffer, Raoul Biltgen, Georges Hausemer, Richard Lifka, Silvija Hinzmann, Jeff Schmitz, Edwin Haberfellner, Susanne Kronenberg, Luc Marteling, Karsten Eichner, Bernd Köstering, Anita Kayser, Franziska Steinhauer und Marc Graas.


ISBN: 978-3-942446-96-9 | 270 Seiten

9,90 Euro (inkl. MwSt.)
Taschenbuch

Ab 01.10.2013 lieferbar

27.04.2013

27. April 2013

Wiesbaden persönlich

5 Wenn über 200 Krimi-Autoren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zum Gipfeltreffen der Branche, der "Criminale", zusammenkommen, sind stets auch "Dostojewskis Erben" aus Wiesbaden darin verwickelt. In diesem Jahr war Bern Schauplatz des viertägigen Literaturfestivals mit rund 100 Lesungen. Die Krimi-Hochburg Wiesbaden vertraten unter anderem (v.l.): Karsten Eichner , Alexander Pfeiffer , Richard Lifka , Almuth Heuner und Michael Kibler .

28.11.2012

Ein Dobermann schnüffelt mit

 

Wiesbaden . Gottseidank kann der Hund zum Schluss wieder sprechen, schreiben und zubeißen. Man konnte schon Sorge haben, dass das schöne Tier von der einen in die andere Hand der Autoren gereicht irgendwann und -wo auf der Strecke bleibt. Dabei ist Dobermann Mo doch die reizendste Erfindung der Kettenkrimi-Schreibenden unter Dostojewskis Erben.
Und Kettenkrimi-Schreiben geht so: 16 Autorinnen und Autoren, lokal verankert in Wiesbaden und im Literaturhaus-Café, wo sich einige regelmäßig als Dostojewskis Erben treffen, wollten mal wieder gemeinsam arbeiten. Und zwar alle an einem Manuskript. Aber nicht übereinander gebeugt, sondern nacheinander sitzend. Einer fängt an und gibt sein Stück weiter an den Nächsten, der es weiterdrehen muss. Eine Woche ist Zeit, dann ist nach zwei Teilen der Dritte dran, und so weiter und so fort. Den Letzten beißen dann die Hunde. In diesem Fall des "Agenten-Roulette" glücklicherweise. Tappte der Dobermann doch schon recht früh hinein in den blutigen Tatort und erschnüffelte hinterlassene Spuren. In vielen anderen der 16 Kapitel darf er schlafen - einer Hundepsyche fühlt sich nicht jeder so artverwandt wie Wolfgang Polifka (Nähe Marburg). Umso besser kennen die Ortsansässigen Wiesbaden und sein Casino. Wer sich schon nach Dostojewski nennt, spielt eben auch gern mit dessen Erbe. Und so findet die Mordtat denn hautnah überm Roulettetisch statt.
Doch es gäbe nicht die Vielzahl der Texter, wenn sich nicht im Handlungsverlauf herausstellte, dass weder der Tote der Tote, noch sein Mörder ein Mörder war. Da hat sich die Kette der Fantasie ganz schön herausfordern lassen, hinzu zu erfinden, bisher Erzähltes umzukehren, Volten und Verwicklungen einzubauen.
Verlässliche Basis bilden Lars Rieken von der Wiesbadener Kripo und Kevser Ulucay, Sicherheitsbeauftragte mit Migrationshintergrund. Dass eine Verdächtige nicht nur aus dem Osten, sondern auch aus einer früheren Beziehung zum Polizisten kommt, verdankt der Krimi Susanne Kronenberg. Jetzt müssen alle Nachschreibenden sehen, was sie draus machen. Richard Lifka eine veritable Liebesgeschichte und Bernd Köstering (Offenbach) den Weg wieder frei für eine naheliegend neue Paarbildung. Mit Hund wohlgemerkt.
Und zum Plot noch so viel: Die dunklen Kräfte drohen (woher sonst?) aus dem Osten, die groben Gestalten heißen "Silberner Toni" oder "Fettes Schwein", das Motiv ist Raffgier, zu den Verbrechen zählen Unterschlagung, Mord und Entführung, das BKA spielt keine rühmliche Rolle, und es ist die Kette der Gesamtstruktur auch als Einzelobjekt verfügbar.
Zum Abschluss des Wiesbadener Krimiherbstes, 8. Dezember, wird sie im Literaturhaus ausgelegt werden.

 

Wiesbadener Kurier Stadtausgabe vom 28.11.2012

Von Viola Bolduan

27.11.2012

“Beatlemania” mit dramatischem Finale

 

Das Gemäuer der Zitadelle, an einem finsteren Novemberabend, im Nebel, - wem würde es da nicht gruselig zumute? Das richtige Ambiente also für eine Krimilesung. Freilich - wenn ein Musikredakteur wie Christian Pfarr die Stories schreibt, da geht es nicht in erster Linie um Mord und Totschlag, da werden feinere Töne angeschlagen.

„Hilfe!“ heißt das neue Buch, und wenn man auf dem Einband die „Fab Four“ über den berühmten Zebrastreifen marschieren sieht, dann weiß man auch sofort, was gemeint ist: „Help!“ Zehn Beatles-Krimis verspricht das kleine Buch. Fünf der Geschichten stammen von Richard Lifka, Schriftsteller und bekennender Beatles-Fan aus Wiesbaden, die anderen fünf von Christian Pfarr, der jetzt bei der Krimilesung auf der Zitadelle eine kleine Kostprobe gab. Dabei lässt er Paul und John, Ringo und George nicht als handelnde Personen auftreten - es geht eher um ihre Wirkung, ihr musikalisches Nachleben, - eben um das Magical Mystery. Ein Mann erinnert sich an seine Freunde, an die bewegte Hippie-Zeit und die gemeinsame „Beatlemania“ inmitten der „piefigen“ Umgebung der 60er Jahre - und was ist daraus geworden? Irgendwie und irgendwann haben sie sich doch alle angepasst. Und es wäre kein Krimi, wenn diese kleine Geschichte nicht mit einem dramatischen Finale enden würde.

Eine andere trägt den Titel „Vorgestern“, und das erinnert nicht umsonst an „Yesterday“: da hat nun der Musikredakteur seine detaillierten Kenntnisse eingebracht. Angeblich soll Paul McCartney nämlich immer behauptet haben, die Melodie sei ihm im Traum eingefallen. Und Pfarr fabuliert sich eine abenteuerliche Story zusammen, was es damit auf sich haben könnte, und dabei geht es very british zu - und zum Schluss natürlich wieder mörderisch.

Wenn der Autor zuletzt behauptet, er könne alle Texte der Beatles rückwärts aufsagen, kann man ihm das unbesehen glauben. Ganz so versiert müssen die Leser der Geschichten zum Glück nicht sein - dass „eventuelle Ähnlichkeiten“ mit bekannten Personen und Ereignissen nicht rein zufällig sind, merkt man auch so. Nur eines sollte man haben: ein Herz für die Beatles und ihre Musik. Und das ist unabhängig vom Lebensalter - auch wenn in diesen kleinen Beatles-Krimis natürlich viel „Yesterday“ steckt.

Von Rotraut Hock

http://www.allgemeine-zeitung.de/region/kultur/literatur/12628004.htm

04.09.2012

Doppelkopf und andere Spiele

LESUNG Krimiautor Richard Lifka bei Hugendubel

Mitten in der Nacht: ein Schuss fällt. In der Buchhandlung Hugendubel zucken die Besucher erschrocken zusammen. Dabei ist der Wiesbadener Autor Richard Lifka gerade voll in seinem Element, denn schließlich handelt es sich um eine „interaktive Lesung“, wie Klaus Krückemeyer, Reporter beim Hessischen Rundfunk vorab verraten hat. Und so wird auch aus der Lesung rasch ein „Mini-Hörspiel“, das Theatermusiker Timo Willecke geräuschvoll mit Windböen und Schritten auf dem Kiesweg in Szene setzt. Lifkas neuer Kriminalroman „Doppelkopf“ führt Detektiv Ninus Hagen auf mörderischen 283 Seiten durch Wiesbaden und die Region.

Erst die Regeln

Doch zuerst einmal erklärt Lifka, der selbst gerne Doppelkopf spielt, die Spielregeln. „Zwei gegen zwei“, lautet die Devise, wobei zu Beginn des Kartenspiels keiner seinen Partner kennt. Kurzweilige Wortspielereien mit Kontra, Re, Fuchs, Herz- und Kreuzdame fliegen dem Zuhörer nur so um die Ohren, wenn die Romanfiguren sich in Hagens Stammlokal „La Chirona“ in der Goldgasse zur flotten Doppelkopfrunde treffen.

Dort taucht plötzlich auch KK auf, der real Klaus Krückemeyer heißt, und vom Autor kurzerhand in die Romanhandlung eingeschmuggelt worden ist. Wie schon in Lifkas vorangegangenem Kriminalroman „Sonnenkönig“ basiert auch „Doppelkopf“ auf einem lokalen, authentischen Fall. Eine Meldung im Wiesbadener Kurier über die Entführung einer Bankiersgattin hat den freien Journalisten seinerzeit zu dem Thema inspiriert. „Eine Mischung aus Realität und Kreativität“, wie Lifka erläutert. Daher lebt auch Protagonist Alexander de Rascalère, Direktor der Allgemeinen Wiesbadener Bank, im Engenhahner Wildpark, „wo reiche und noble Menschen wohnen“.

Mit hochgekrempelten Ärmeln blättert Lifka die Seiten zu „Sex & Crime an schillernden Orten“ weiter. Die Zuhörer kichern laut, indes Bankier de Rascalère seine quietschende Geliebte „keuchend und schwitzend zum Höhepunkt vögelt“, um anschließend unter vorgehaltener Pistole „mit schwabbeligem Hintern und verschrumpeltem Hodensack“, so richtig „Scheiße auszusehen“. Nein, ein Blatt nimmt Lifka wirklich nicht vor den Mund, allerdings erst nachdem er sich rückversichert hat, dass keine Jugendlichen unter den Zuhörern sitzen.

Zwischendurch spielt Willecke Gitarre, Krückemeyer animiert das Publikum und singt mit voller Inbrunst „Viva Espana“. Interaktiv eben. „Das war jetzt aber nicht wirklich geplant“, stellt Lokalmatador Lifka amüsiert fest, und versetzt die Buchhandlung direkt ins „La Chirona“. Dort überfällt auch die Romanfiguren das Magenknurren, sie rufen nach der Küche. Damit fällt das Stichwort: Die Mitarbeiter von Hugendubel fahren als krönenden Abschluss Rotwein und Tapas für das Publikum auf. Und indes die Gäste aufgespießte Oliven und Hackfleischbällchen in den Mund schieben, signiert Richard Lifka sichtlich entspannt schon mal die ersten Bücher.

Von Sabine Posse

04.09.2012 – Wiesbadener Kurier

30.08.2012

Es geht um mehr als um Lösegeld

 

Richard Lifka präsentiert heute Wiesbaden-Krimi bei Hugendubel

 

Richard Lifka präsentiert heute um 20.30 Uhr (Einlass ab 20 Uhr) seinen neuen Kriminalroman “Doppelkopf” in der Buchhandlung Hugendubel, Kirchgasse/Luisenstraße.
Zusammen mit dem Schauspieler Klaus Krückemeyer gestaltet der Autor eine interaktive Lesung. Richard Lifkas neuer Roman spielt in Wiesbaden und führt den Leser auf knapp 300 Seiten  in die Welt des Scheins und der Scheine. Während der Detektiv in einem bundesweiten Versicherungsbetrug ermittelt, wird die Ehefrau eines Wiesbadener Bankdirektors unter mysteriösen Umständen entführt. Was zunächst wie eine gescheiterte Erpressung aussieht, entpuppt sich als ein ausgeklügelter Plan, hinter dem mächtige Kräfte die Fäden ziehen. Es geht um wesentlich mehr, als um läppische zwei Millionen Euro Lösegeld. Wie beim Kartenspiel Doppelkopf stellt sich erst nach und nach heraus, wer zusammenspielt.

www.lifka.de, www.hugendubel.de

Publiziert am 30. August 2012 von sensorWI

22.08.2012

“Ninus Hagen war empört” Warum ein Krimiautor und sein Ermittler noch immer gerne rauchen

 

lifka_richard_foto22.08.2012 - WIESBADEN

Autor Richard Lifka hat einen neuen Wiesbaden-Krimi geschrieben. Wir berichteten über „Doppelkopf“ als Fortsetzung eines authentischen lokalen Falls in „Sonnenkönig“ (2010). Vor seiner Lesung am 30. August bei Hugendubel nimmt Richard Lifka Stellung zu Thema und den Figuren seines Buches.

Herr Lifka, muss man das Spiel Doppelkopf kennen, um Ihren Krimi zu verstehen?

Nein und ja. Natürlich versteht man die Geschichte, auch ohne die Regeln des Spiels zu kennen. Wer allerdings selbst Doppelkopf spielt, für den ergibt sich ein weiteres Vergnügen.

Wie kamen Sie darauf, das Spielmuster Doppelkopf auf die Dramaturgie eines Romans zu übertragen?

Ich spiele Doppelkopf schon viele Jahre. Was mich daran reizt, ist das Detektivische: nach und nach herauszubekommen, wer spielt mit wem, wer ist dein Freund, wer dein Gegner. Wie im echten Leben gibt es dabei Enttäuschungen, weil man auf die falsche Karte gesetzt hat, entpuppt sich der vermeintliche Freund als Feind und umgekehrt. Also die beste Grundlage für einen Krimi.

„Doppelkopf“ verfolgt den Wiesbadener Fall um den inzwischen verurteilten früheren Aegis-Media-Manager Aleksander Ruzicka „Sonnenkönig“ in zweiter Runde. Gab es nach dem ersten Buch Reaktionen aus dem Gefängnis?

Keine, die bis zu mir gedrungen sind, außer ein paar Episoden mit den Rechtsanwälten der Media AG. Allerdings muss ich sagen, dass der Fall Ruzicka, genauso wie die realen Hintergründe in „Doppelkopf“, nur einige Parallelen mit der Wirklichkeit haben. Reale Ereignisse sind lediglich Anstöße für mich, weitergehende oder auch neue Geschichten zu fantasieren.

Ihre Figurenvorlage Ruzicka ist als Chefredakteur der Gefangenenzeitung in der JVA Eberstadt ja eine Art Kollege geworden - was hätte Ihr Ermittler Ninus Hagen dazu gesagt?

Als Ninus Hagen davon erfuhr, war er empört. Denn, wenn ein Ganove in so eine Position kommt, hat er logischerweise auch Vergünstigungen. Ruzicka selbst sagte vor ein paar Wochen in einem Interview, dass er sich in der Justizvollzugsanstalt Eberstadt sehr wohl fühle und es ihm an nichts mangle. Was man mit solchen Vergünstigungen anfangen könnte, erfährt Hagen sehr schmerzlich.

Warum darf Ihre Hauptfigur gesellschaftspolitisch inkorrekt weiterhin rauchen?

Vielleicht, weil sein Erschaffer selbst gerne immer noch raucht, oder Hagen als spätgeborener 68er es nicht lassen kann, sich gegen unsinnige gesellschaftliche Normen zu wehren.

Ninus Hagen wohnt in der Neugasse und hält sich gern in der Umgebung auf. Was macht die Atmosphäre dieses Innenstadtviertels aus?

Ich denke es ist ein Mix aus Nostalgie, Gedenken früherer Zeiten, wo es wirklich ein Innenstadtleben gab, aus Bequemlichkeit, nicht für jeden Espresso an der Bar zehn Kilometer weit fahren zu müssen und der Faszination der erhaltenen Altstadtstadthäuser, ihren grandiosen Fassaden und den großzügigen Räumen.

Wenn die Wiesbadener Gesellschaft Ihren Roman liest - welches Bild bekommt sie von sich?

Ich denke, dass die Personen, die im Roman auftauchen, viel von Wiesbadens Facettenreichtum widerspiegeln. Auf der eine Seite die mondänen, von Geld, Macht- und Prestigegier geprägten Menschen, auf der anderen die zahllosen Nationalitäten, die hier zusammentreffen. Ganz davon abgesehen, dass es noch lebenslange Freundschaften gibt, die in einer überschaubaren Stadt wie Wiesbaden vielleicht leichter zu pflegen sind als in München, Hamburg oder Frankfurt.

Ihr Autorenblick auf Paare ist äußerst skeptisch - was machen die in Ihrem Buch falsch?

Finden Sie? Ich habe mir so große Mühe gegeben, die Liebenden zusammenzubringen. Aber Sie haben Recht. Ich finde es in unserer Zeit sehr schwer für zwei Menschen, sich ein gemeinsames Leben vorzustellen, durch alle Höhen und Tiefen. Zu verlockend klingt das Versprechen von Freiheit, individueller Selbstverwirklichung, totalem Erlebnis und was dem modernen Menschen noch so alles geboten wird. Da ist wenig Platz und Zeit, sich auf andere einzulassen, sich der Zweisamkeit zuliebe einzuschränken.

Frauen wiederum können hier mehr als Kaffeekochen - was kennzeichnet deren Stärke?

Ich bin schon immer davon überzeugt, dass Frauen mehr können, als Haushalt und Kindererziehen, dass Frauen, wenn sie die Möglichkeit haben, stark, sehr stark sein können, ohne dabei ihre Weiblichkeit zu verleugnen.

Warum muss ein Krimi mit Toten enden?

Von der Geschlechterfrage direkt zur Mord und Totschlag! Er muss nicht mit Toten enden, aber die eine oder andere Leiche braucht es schon. Die Tötung eines Menschen ist das schlimmste Verbrechen, das es gibt. Es ist eine Extremsituation für alle. Eine nicht mehr rückgängig zu machende Tat. Es wirft alle Beteiligten aus der Bahn. In dieser Ausnahmesituation lasse ich meine Figuren handeln, hier kommt vieles an die Oberfläche, werden Gefühle, Triebe und Instinkte freigesetzt.

Wird zu Ihrer Lesung bei Hugendubel am 30.8. eine Romanfigur auftauchen?

Ja. Sogar doppelt. Als Romanfigur und als real existierender Mensch. Ich meine Klaus Krückemeyer, der nicht nur mit mir zusammen die Lesung gestalten wird, sondern es auch irgendwie geschafft hat, sich in die „Doppelkopf“-Handlung zu schmuggeln.

Das Interview führte Viola Bolduan.

18.08.2012


Richard Lifka Neuer Krimi „Doppelkopf“


Auch wer nicht Karten spielt, freut sich an Wiesbadens krimineller Energie. Natürlich nur, sofern sie fiktiv bleibt, also zwischen zwei Buchdeckeln. Und da lebt in Wiesbaden einer, der sich auskennt und das lokale Krimi-Lesepublikum seit Langem mit erfundenen skandalösen Umtrieben und auf der Gegenseite sympathischen Ermittler-Skurrilitäten versorgt.
Erfunden? Ganz aus der Luft gegriffen ist der Stoff der Geschichten eben nicht. Autor Richard Lifka hatte in „Sonnenkönig“, seinem ersten Kriminalroman in eigener Regie (nach verschiedenen mit Partnern) 2010 den Wiesbadener Prozess gegen die Agentur Aegis Media und dessen Manager Aleksander Ruzicka zum Thema genommen. „Ich versuche immer, Wirklichkeit und Fiktion zu verknüpfen“, hatte der 57-Jährige kommentiert. Dieser „Sonnenkönig“ freilich bot noch mehr: neue Figuren als ermittelnde Kommissare und Privatdetektive. Ein Ninus Hagen aus der Neugasse hatte den alten Schnüffler Frederic Feuerbach einfach abgehängt.
Feuerbachs Nachspiel
So fit und verliebt der Neue auch sein mag - Feuerbach hat nach seinen drei Wiesbadener Fällen unbedingt ein Nachspiel verdient. Deshalb ermittelt der Alte jetzt auch weiter - exklusiv für diese Zeitung in Lifkas monatlichem „Viertelkrimi“. Und kommt höchstens in Besprechungen wie diesen dem neuen Helden in die Quere. Der wird‘s verschmerzen - denn er selbst trainiert ja auch die Fortsetzung.
Ninus Hagen also, Barbesucher, Schlagzeug-Spieler und unbeirrbarer Raucher, folgt einer weiteren Drehung des vorangegangenen „Rolozko“-Falls. Und steht wieder mitten im Team mit Kommissar Wanninger, dem Kaffee-Experten, Lena, der unerschrockenen Lesbe, und Carla, die sich am Ende des letzten Buches auf die richtige, nämlich seine Seite geschlagen hatte.
Wiesbadener Gesellschaft
Der alte Fall geht weiter, weil der inhaftierte Oberschurke noch immer draußen seine Handlanger und ihm verpflichtete Stützen in der Wiesbadener Gesellschaft hat.
Es fängt anscheinend harmlos an - mit einem Autodiebstahl bei noch verdeckten Karten. Wie auf sie rein spieltechnisch reagiert werden sollte, wird einleitend erklärt. Doppelkopf-Unkundige verstehen den folgenden Prolog besser - als einen Hilfeschrei von unbekannt. Dann aber geht‘s chronologisch voran drei Wochen lang von einem Silvestertag bis zum Showdown am 23. Januar. In dieser Zeit werden geografisch Räume von Wiesbaden in den Rheingau und nach Frankfurt vermessen. London bleibt des Liebespaars privates Zwischenspiel; eine Bootsfahrt auf dem Mittelmeer betrügerische und tödliche Angelegenheit der Gegenseite. Die Verknüpfung von „Wirklichkeit und Fiktion“ neigt sich dem Letzteren zu.
Entführung, Erpressung, Explosion - Wiesbadens kriminelle Energie hat Fantasie. Das Ermittlerteam pflegt indes seine Schrulligkeiten, sitzt am liebsten in der Goldgasse und smalltalkt mit Schmackes. Seine bunten Charaktere und deren frotzelnder Umgangston gehören zum Markantesten dieses Buches, dessen Lektüre leicht fällt - ob auf dem Balkon oder auf Reisen. Nur: Doppelkopf sollte man schon spielen können.

Wiesbadener Kurier 03.08.12

18.05.2012

Nach fünf Minuten fällt ein Schuss

RL

 

Wiesbadener Kurier Stadtausgabe vom 18.05.2012, Seite 18

Von Viola Bolduan
Wiesbaden . Wer kennt das Letzebuerger Literaturhaus in Mersch? Die Luxemburger. Sie nennen es CNL, weil sie ja auch Französisch können: also sich gern im Centre national de littérature aufhalten. Jetzt aber waren auch Schriftstellerinnen und Schriftsteller aus Wiesbaden und anderen hessischen Städten zu Besuch und lernten es kennen. "Sehr erfolgreich, sehr schön" sei ihr dreitägiger Aufenthalt gewesen, berichtet Richard Lifka nach Rückkehr der zwölf Autoren aus Luxemburg. "Krimi DeLuxe 2012" haben die luxemburgischen Kollegen das Treffen genannt. Sie nämlich luden die Deutschen ins Literaturhaus und -archiv von Luxemburg in Luxemburg (wir berichteten). Aus Wiesbaden folgten Christiane Geldmacher, Susanne Kronenberg, Alexander Pfeiffer, Karsten Eichner und Richard Lifka der Einladung.

Letzenbuerger schreiben still


Sie wussten schon: Die Luxemburger, die Ende der 90er Jahre für sich den Letzebuerger Krimi entdeckten - aber wenige außer ihnen - wollten an Erfahrungen der Wiesbadener teilhaben. Denn hier gibt es eine unter dem Namen "Dostojewskis Erben" organisierte Autorengruppe. In Luxemburg, so Richard Lifka, schreibt man noch meist still vor sich hin und kennt seine Mitstreiter nicht. Das soll sich künftig ändern. Die Letzenbuerger wollen sich nun gleichfalls zusammentun. Dass sie und ihr Literaturhaus organisieren können, haben sie für die Besuchsgruppe vergangene Woche unter Beweis gestellt. "Alles hat supergut funktioniert", erzählt Lifka. In Workshops haben die Deutschen über den Buchmarkt, Autorengruppen und Konstruktionsarten einer Kriminalgeschichte referiert. Die Gastgeber revanchierten sich mit einem Empfang in der deutschen Botschaft. Und weil das Luxemburger Land sehr überschaubar ist und sich fast alle untereinander kennen, standen die Textarbeiter dabei locker mit Ministern zusammen.
Und auch die öffentliche Lesung aller Beteiligten war für die Gäste gewöhnungsbedürftig. Was die Luxemburger - wieder in ihr Französisch fallend - "Contre-la-montre" nennen, heißt: Nach fünf Minuten Sprechzeit fällt ein Schuss. Und wenn auch mitten im Satz - der Nächste ist dran. Ob nun auf Deutsch oder Letzenbuergisch. Im Unterschied zu den Gästen aus Rhein-Main können die Luxemburger beides und darüber hinaus eben auch noch Französisch.
Da die Krimikollegen jetzt mit Netzwerken beginnen und die Wiesbadener "nette Menschen" in Luxemburg getroffen haben, werden Dostojewskis Erben ihre neuen Freunde im nächsten Jahr nach Wiesbaden einladen. Schließlich gibt es auch bei uns ein Literaturhaus.

17.04.2012

Dostojewskis Erben

Aber auch die heimische Literaturszene findet in der Villa Clementine ein Zuhause. Seit mittlerweile mehr als zwei Jahren existiert das regelmäßige Autorentreffen im Literaturhaus-Café, das ebenso unbescheiden wie augenzwinkernd unter dem Namen „Dostojewskis Erben“ firmiert. „Grundidee war es, ein regelmäßiges Treffen zu schaffen, an dem sich literarisch arbeitende Menschen aus Wiesbaden und erweiterter Umgebung ungezwungen austauschen können“, erzählt Gründervater Richard Lifka. Seit Dezember 2009 gibt es diese Veranstaltung regelmäßig an jedem zweiten Dienstag im Monat. Dass auch hier das Krimigenre ganz besonders präsent ist, hat seinen Grund. „Ins Leben gerufen wurde der erste Abend von den Wiesbadener Mitgliedern des ‚Syndikats’, der Vereinigung der deutschsprachigen Krimiautoren“, erklärt die Geburtshelferin Susanne Kronenberg. „Gewünscht war aber von Anfang an, dass die Treffen jedem offen stehen sollten, der schreibt und sich der Literatur verbunden fühlt. Wenn sich daraus reizvolle Projekte ergeben, umso schöner.“ So werden im Mai zwanzig von Dostojewskis Erben unter dem Motto „Krimi DeLuxe“ nach Luxemburg reisen. Die Mission: Literarische Kontakte zu knüpfen und Deutsche Autoren in Luxemburg und Luxemburger Autoren in Deutschland bekannter zu machen.
Von Fjodor, Clementine und ihren Erben – Literatur in Wiesbaden, Wiesbaden in der Literatur | sensor Magazin – Wiesbaden

04.01.2012

Auch „Micky Maus“ sammelt mit

 

30.12.2011 - WIESBADEN

Von Eva Wodarz-Eichner

KURIER-AKTION I Viele Helfer unterstützen „ihnen leuchtet ein Licht“anonym / Firmen und Vereine engagiert

Es sind unsere Leser, von denen die Aktion „ihnen leuchtet ein Licht“ lebt: Von den vielen, vielen Einzelspenden, deren stetes Eintreffen in den im Kurier regelmäßig abgedruckten Spendenbilanzen verfolgt werden kann - viele haben es sich zur alljährlichen Tradition gemacht, die Kurier-Aktion zur Weihnachtszeit zu unterstützen und damit dazu beizutragen, die Not direkt vor der Haustür zu lindern …

… Gruseln für den guten Zweck

Die Wiesbadener Krimiautoren Christiane Geldmacher, Hauke Schlueter, Dietmar Schubert, Karsten Eichner, Eva Lirot, Richard Lifka, Bernd Köstering und Susanne Kronenberg haben mit ihrer Krimi-Lesung unter dem Motto „Mord und Spiele“ in der Buchhandlung Hugendubel gemeinsam mit der Theatergruppe „restrisiko“ für einen spannenden und unterhaltsamen Abend gesorgt. Der Erlös von über 300 Euro fließt ebenfalls in den Spendentopf von „ihnen leuchtet ein Licht“…

10.12.2011

Und der Kaiser rappt auf Hessisch

LESUNG "Mord und Spiele" bei Hugendubel
Vom 10.12.2011
Von Kathrin Schwedler

Wiesbaden . Trotz des kurzen Vorlaufs von nur einigen Wochen war die Buchhandlung Hugendubel zur Benefizveranstaltung "Mord und Spiele" bestens besucht. Die Autorenvereinigung "Syndikat" hat zum ersten Mal den 8. November zum "Krimi-Tag" ausgerufen. Das Datum ist dem Todestag von Friedrich Glauser geschuldet, der in seiner Figur Wachtmeister Studer aus Bern den Vater aller Tatortkommissare geschaffen hat. In Wiesbaden moderierte Richard Lifka vom Autorenstammtisch "Dostojewkis Erben" eloquent einen Abend, bei dem ein Autorenkombinat von acht "mörderischen" Publizisten Kurzkrimis und Auszüge aus Romanen vortrugen. Um die Lesung, deren Erlös der Kurier-Aktion "ihnen leuchtet ein Licht" zufließt, aufzupeppen, hatte man das Improvisationsensemble "Restrisiko" dazu gebeten.

 

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Vor allem humorige Effekte

Das nicht verabredete Hin und Her zwischen Vortrag und Stehgreif sorgte vor allem für humorige Effekte, besonders wenn sich der Bogen vom Text zur szenischen Umsetzung so gar nicht spannen wollte. Christiane Geldmachers satirischer "Fußgängerzonenmord" mutierte so zur Bauarbeiterklamotte, Kaiser Wilhelm I. rappte am Tag des verhinderten Attentatversuchs 1883 bei der Einweihung der Germania weinselig auf Hessisch und brachte die Zuschauer zum Mitklatschen. Die erfinderische Idee von Autor Karsten Eichner die verbriefte Historie in einen Sherlock-Holmes-Fall umzuwandeln, ging dabei unter. Ein Fehlhörer machte aus den vom Grog rot gefärbten Gesichtern der Gäste einer Inselkneipe die reinste Fleckfieberepidemie. Dietmar Schubert ließ sich in seiner sprachlich wunderbar präzise gehaltenen Schauerstory, bei der nächtens der stürmischen See kollektiv ein Menschenopfer gebracht wird, aber nicht aus dem Konzept bringen.

Pech oder Glück hatte Bernd Köstering mit Auszügen aus einem seiner Goethe-Krimis. Restrisiko entwickelte aus dem Detail einer "schwarzen Hand" seinen ganz eigenen Edgar-Wallace-Thriller. Als Running-Gag wurmte sich das Wörtchen "Philtrum" (Oberlippenkerbe) aus dem Luxemburg-Krimi von Hughes Schlueter durch. Susanne Kronenbergs Sexualmörder Sebastian geriet spielerisch in die Fänger begriffsstutziger Telefonseelsorge. Eva Lirots toter Heimatforscher am Limes entfachte Spielszenen aus der Römerzeit im Stil von Asterix und Obelix. Beim Mordkomplott-Dramolett von Richard Lifka war in der Umsetzung nicht mehr klar, wer jetzt Lola und wer Liebhaber und wer Ehegatte war. Hauptsache der Schuss am Ende war Notwehr. Keine Frage sorgt die Kombination aus Krimi und Impro für eine Riesengaudi. Was die Texte angeht bleibt: Die sollte man unbedingt nochmal nachlesen.

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09.12.2011

Land in Krimihand

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TOD IM TAUNUS Neuer Band mit Kurzgeschichten
Vom 08.12.2011
Von Viola Bolduan

Wiesbaden . Ja, da killen sie wieder, die bekannten Krimi-Autorinnen und -Autoren aus Wiesbaden und Umgebung: Christiane Geldmacher und Alexander Pfeiffer, Susanne Kronenberg und Richard Lifka, die Krimi-Stipendiaten Horst Eckert und Regula Venske und manch andere mehr. Das Besondere am neuen Band krimineller Kurzgeschichten liegt nicht in der Art, wie gekillt wird, noch an der, wie ermittelt wird, sondern am Ort des Geschehens. Alle Fälle der 19 Autorinnen und Autoren spielen im Taunus - vorgegebene Aufgabe für den Regional-Krimi der Reihe "Mordlandschaften", in der er als Band 9 erscheint.

Sisi oder nicht?

Der Taunus ist eigentlich wie jede Landschaft - nur, dass die hier Ansässigen sie in ihrer Beschreibung und Historie wiedererkennen können. Deshalb müssen auch Details der Schilderung stimmen, weil sie realiter beäugt werden, und Geschichten aus der Geschichte sollten zuverlässig recherchiert sein. Davon ist beim Wiesbadener Autor Karsten Eichner auszugehen, wenn er in seinem Krimi "Die falsche Schlange" Kaiserin Sisi (oder ist sie es gar nicht?) in Schlangenbad Quartier nehmen lässt und auf Fakten eine Fiktion aufbaut.

Michael Kiblers höchst spannender Profikiller-Wettbewerb "Die Liste" hatte der Darmstädter als Krimi-Stipendiat in Wiesbaden schon vorgelesen - jetzt ist er lohnend zum Nachlesen angeboten. Spielt übrigens in Bad Homburg und gehört damit zu den Krimis, die in die Nähe zum östlichen Hochtaunus rücken und Eppstein, Oberursel bis hin zum Großen Feldberg als unsichere Gegenden ausmachen.

Wiesbaden aber kommt selbstverständlich auch vor - als Stadt eines Raubüberfalls (Wolfgang Kemmer: "Alex im Wunderland") und Metropole, auf die man sich ländlich-schändlich zwar beziehen kann, kriminaltechnisch am besten aber hinter sich lässt. So, wie Alexander Pfeiffer in seinem atmosphärisch dichten, düsteren Psychogramm "Das Tor nach draußen" verfährt und in Bad Schwalbach ankommt.

Dramatik mit Tieren

Innerhalb der Geografie der Taunuslandschaft sind Verwicklungen und Auflösungen bunt gemischt: Es gibt Überraschung (Horst Eckert; "Abgehört"), Erpressung (Susanne Kronenberg: "Am Limes"), Tiere in skurriler Dramatik (Tatjana Kruse: "Die Killer-Erdmännchen") und allerliebste Schmonzetten (Nina Schindler: "Das Geheimnis des Killingerhauses"). Und es gibt Bratwurst! Wer wohl hätte sie in Katzenelnbogen vermutet? Richard Lifka, Krimikenner und Herausgeber dieses Bandes.

Die Geheimnisse des Fleisches in "Die Erfinder der Bratwurst" sind amüsant und hinterlassen eine Wurst mit offenem Ende. Am sicheren Ende des Tages zieht eine neue krimitaugliche Generation ein - aus den Seniorenresidenzen. Regula Venske ("Vergraben in Oberursel") geht sehr vorbildlich mit dem heiklen Thema um.

Mord ist ihr Hobby


BENEFIZ Krimi-Abend zugunsten Kurier-Aktion
Vom 06.12.2011

Wiesbaden (eva). Mord ist ihr Hobby und Blut für sie ohnehin ein ganz besonderer Saft: Davon können sich alle Krimifreunde am Donnerstag, 8. Dezember, überzeugen, wenn um 20.30 Uhr in der Buchhandlung Hugendubel (Kirchgasse 17) unter dem Motto "Mord und Spiele" ein ganz besonderer Abend beginnt: Die Wiesbadener Krimi-Autoren Christiane Geldmacher, Hauke Schlueter, Dietmar Schubert, Karsten Eichner, Eva Lirot, Richard Lifka, Bernd Köstering und Susanne Kronenberg lesen je einen Text aus ihrem aktuellen Werk. Die Theatergruppe "restrisiko" wird dazu spontan Szenen improvisieren. "Das ist eine ganz neue Form der Krimilesung, und wir freuen uns darauf", sagt Richard Lifka.

Anlass der Lesung ist der erste Krimitag, der mit verschiedenen Veranstaltungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz begangen wird. Die acht Wiesbadener Autoren gehören dem Stammtisch "Dostojewskis Erben" an, der sich regelmäßig im Literaturhaus Villa Clementine trifft.

Der Eintritt zu dem Krimi-Abend kostet fünf Euro; der Erlös fließt in den Spendentopf der Kurier-Benefizaktion "ihnen leuchtet ein Licht".

24.11.2011

Das Trio wird zum Solo


KRIMISTIPENDIUM Pläne der Kulturdezernentin
Vom 23.11.2011

Wiesbaden (VB). Wenn heute Abend (20 Uhr) Brigitte Glaser, Beate Maxian und Rainer Würth als die drei Wiesbadener Krimi-Stipendiaten 2011 im Literaturhaus ihre hier entstandenen Kurzkrimis präsentieren, werden sie voraussichtlich die Letzten sein. Vor drei Jahren war der Dreierbund eines "Trio Mortale" für einen mehrwöchigen Aufenthalt von Krimiautoren in den Atelierwohnungen des Literaturhauses installiert worden. Das Arbeitsstipendium sollte Ersatz sein für den 2006 aus dem Kulturprogramm der Stadt gekippten Frauenkrimipreis. Nun schmiedet Kulturdezernentin Rose-Lore Scholz einen neuen Plan. "Ich möchte die Qualität erhöhen", sagt sie auf Anfrage, indem sie vorhat, das Stipendium auf eine Person zu konzentrieren. Zur Konzentration gehört für die Stadträtin auch, den Stipendiums-Aufenthalt zeitlich mit dem Fernsehkrimi-Festival zu verknüpfen. Dies findet 2012 zwischen dem 7. und 10. März im Caligari statt. Wer also noch einmal ein Trio hören will und Mortales von ihm, hätte heute Gelegenheit.